20130712

Wiederaufbau eines Teils der Frankfurter Altstadt

Man spricht Deutsch im Barri Gotic - im gotischen Viertel von Barcelona: Tausende Touristen schieben sich in der Hochsaison staunend und bewundernd durch die engen und verwinkelten Gassen des beliebten Viertels. Die Altstädte im Ausland erfreuen sich bei den Bundesbürgern größter Beliebtheit: Kein Wunder, denn harmonische, geschichtsträchtige Stadtbilder sind in Deutschland nach den verherrenden Kriegszerstörungen und dem modernistischen Wiederaufbau in den Großstädten eine Seltenheit. So verwundert es auch nicht, dass der geplante Wiederaufbau einiger Altstadthäuser auf dem ehemaligen Areal des abgerissenen Technischen Rathauses in Frankfurt/M. auf eine breite Zustimmung bei der heimischen Bevölkerung traf.

Auf etwa 40 Grundstücken sollen 8 Altstadthäuser zwischen dem Frankfurter Römer und dem Dom als "schöpferische Nachbauten" rekonstruiert werden. Die restlichen Bauten werden überwiegend in einer historisierenden Form - als schöpferische Nachbauten und kleinteilige Neubauten - errichtet. Alles in allem ein winziger Altstadt-Bereich, wenn man altstädtische Areale wie das riesige Gotische Viertel in Barcelona zum Vergleich nimmt oder sich vor Augen führt, dass vor der Kriegszerstörung etwa 2.000 Fachwerkhäuser in der Frankfurter Altstadt standen. Darüber gehört es seit Jahrhunderten zum Baucharakter von Fachwerkhäusern, dass diese jederzeit auseinander gebaut werden können und zu einem anderen Standort umziehen. 

"Kulturkampf" um die Altstadt-Rekonstruktionen

Trotzdem scheint, nachdem die ehemalige OB Petra Roth am 23.01.12 den Grundstein für den Wiederaufbau legte, so etwas wie ein Kulturkampf in Frankfurt/M. ausgebrochen zu sein. Insbesondere einige Lokalpolitiker und Kulturjournalisten lassen sich beim Thema Altstadtrekonstruktion zu verunglimpfenden Bezeichnungen wie "Kitsch" und "Disneyland" hinreissen. Doch die Realität sieht anders aus: Für Wohnungen in 35 Bauten meldeten sich 660 Interessenten. Schon längst steht fest: Hier entsteht kein künstliches Disneyland, sondern ein lebendiges Altstadtquartier. Mit anderen Worten: Ein Herz für die Stadt und seine Bürger und seine Besucher. Und obwohl bisher nur eine Baustelle in der Altstadt klafft, hat die kommende Altstadtrekonstruktion bereits für eine Inititialzündung gesorgt: Schon jetzt ist das Quartier rund um die Braubachstraße deutlich belebt und entwickelt sich zum Touristenmagneten. Fest steht: Der Wiederaufbau eines Teils der Frankfurter Altstadt wird - trotz einiger Widerstände - zu einer nachhaltigen Erfolgsgeschichte. Anders als die unbeliebten Betonklötze der 60-iger und 70-iger Jahre - die jetzt schon wieder abgerissen werden. Und auch die jetzigen Altstadtwiederaubau-Kritiker werden wohl am Ende wohlwollend durch die Fachwerkgassen schlendern und das neu gewonnene Altstadtquartier genießen.  
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Der Zeitplan: Mitte 2014 war Startschuss für die Bebauung des Altstadt-Areals. Mit der Fertigstellung der Altstadtbebauung ist im Frühjahr 2018 zu rechnen. Die Baukosten (incl. Abriss Technisches Rathaus etc. liegen bei über 180 Mio. Euro). Informationen zum weiteren Baugeschehen sind zu finden unter: http://www.domroemer.de

Das Baugeschehen in Frankfurt am Main

Weiterhin lebhafter Immobilienmarkt
Betrachtet man die Bautätigkeit von großen Immobilienprojekten, so ist der Frankfurter Immobilienmarkt seit Jahren der dynamischste in Deutschland. Die Zahl der abgeschlossenen Großprojekte ist beeindruckend - zu nennen sind hier u.a. die neue Bebauuung am West- und Osthafen, das Deutschherrnviertel auf dem ehemaligen Schlachthofgelände und viele neue Wolkenkratzer in der Innenstadt. Auch wenn Frankfurt/M. nicht mehr die meisten Hochhäuser in Europa hat, so gehört die Skyline immer noch zu den beeindruckendsten in Europa. Im weltweiten Hochhaus-Ranking ist Frankfurt/M. natürlich mittlerweile weit abgeschlagen - hier sind Asien und die Vereinigten Arabischen Emirate längst vorbeigezogen. 

Vorzeigbare Bauprojekte am Start
Für die Größe der Stadt (über 700.000 Einw.) hat Frankfurt/M. überproportional zu bieten. Neben dem kulturellen Angebot (Oper, Theater etc.), der guten Infrastruktur und der hohen Wirtschaftskraft punktet die Stadt insbesondere als bedeutende Messestadt und als Standort eines der führenden Flughäfen. Die derzeitigen Bauprojekte - u.a. Europaviertel und Campus Bockenheim - werden die Stadt weiter aufwerten. Doch erst mit der Rekonstruktion eines Teils der Frankfurter Altstadt wird Frankfurt am Main wieder einen vorzeigbaren Stadtkern besitzen, der auch im Wettbewerb des internationalen Tourismus eine wichtige Rolle spielen wird. Eine große Chance wurde mit dem ehemaligen Degussa-Areal und Bundesrechnungshof vertan. Insbesondere das Bundesrechnungshof-Areal hätte ein städtebaulich verbindendes Element zur Altstadt werden können.

Wo Frankfurt/M. noch Nachholbedarf hat
Auch wenn die Stadt städtebaulich am Prosperieren ist, so hinkt Frankfurt am Main in einigen Punkten der internationalen Entwicklung hinterher. Dringend erforderlich ist für die Stadt eine große Veranstaltungshalle für Events und Musikveranstaltungen. Darüber hinaus befindet sich der öffentliche Nahverkehr teilweise in einem nicht mehr vorzeigbaren Zustand - permanente U-Bahn-Verspätungen, Graffiti und außer Betrieb stehende Rolltreppen - werden einem internationalen Finanzplatz nicht gerecht. Darüber hinaus sollte die Stadt dringend an einer verbindlichen Gestaltungssatzung arbeiten, um bestehende gründerzeitliche Bebauung vor Dachverunstaltungen etc. zu schützen. Da in Frankfurt am Main höchste Wohnungsnot besteht, sollten desweiteren leerstehende, unmaßstäbliche Büro-Betonklötze der 60iger und 70iger Jahre im Zentrum zurückgebaut werden und in bezahlbaren Wohnraum umgewandelt werden (zum Thema Leerstand s. auch leerstandsmelder.de) und die unsinnige Stellplatzsatzung aufgehoben werden. Zudem sollte der Bund und das Land leerstehende Immobilien wie das frühere Polizeipräsidium schnellstmöglich verkaufen und so dem Wohnungsmarkt zuführen.

20130711

16 Architektur-Highlights in Frankfurt/M.

01. Dom und Römerberg mit Römer in der Altstadt
02. Skyline rund um die Mainzer Landstraße
03. Opernplatz mit der Alten Oper und angrenzenden Opernturm
04. Westend mit Villen und Gründerzeitlern
05. Messegelände mit dem Messeturm und der Festhalle
06. Ostend mit Hanauer Landstraße, Uniongelände, Großmarkthalle und neuem EZB-Bau
07. Eiserner Steg - Frankfurts schönste Brücke
08. Museumsufer mit vielfältigen Museumsbauten wie dem Städel
09. Hauptbahnhof mit dem angrenzenden gründerzeitlichen Viertel
10. Commerzbank-Arena - ehem. Waldstadion
11. Main Plaza und Deutschherrnviertel auf altem Schlachthofgelände
12. Leonhardskirche - ein Juwel am Main
13. Poelzig-Bau (heute zu Uni Frankfurt Campus Westend)
14. Olivetti-Türme von Egon Eiermann in der Bürostadt Frankfurt-Niederrad
15. Neue Mainuferbebauung am Westhafen
16. Hochhaus Skylight von Richard Rogers in der Stephanstraße

Ich seh´s doppelt - Frankfurter Bauwerke als ähnliche "Kopien" in aller Welt

Das gibt es nur in Frankfurt am Main? Von wegen! Es gibt viele Bauten, die fast in ähnlicher Weise an einem anderen Ort auf der Welt stehen. So ähneln sich viele Wolkenkratzer, Fußballstadien und sogar historische Türme. Hier eine kleine Übersicht:

- Westend Tower, FFM.  > City Gate, Ramat Gan/Israel
- Commerzbank Arena, FFM.  > Arena Nationala, Bukarest s. auch Nationalstadion/Warschau u. Locomotive-Stadion/Moskau.
- Messeturm, FFM.        > Bank of America Plaza, Atlanta
- Frau Rauscher Brunnen, FFM.  > Schängelbrunnen, Koblenz
- Eschenheimer Turm, FFM. > Flatowturm im Park Babelsberg, Potsdam

20120215

(Bau-)Geschichte von Frankfurt am Main

Historischer Abriss zur Baugeschichte in Frankfurt/M.:

Zwischen 1250 und 1514 entsteht der Dom.
1356 Mit der goldenen Bulle kommen bis 1806 die Kurfürsten in die Stadt um den König bzw. Kaiser zu krönen. Außerdem erhält die Reichsstadt Frankfurt/M. eine Reihe von Privilegien für das Bankentum, die Börse und für die Ausrichtung von Messen.
Im 15. Jahrhundert wird der Römer das Rathaus der Stadt. 
1833 Die Sammlung des Mäzens Städel erhält ihr erstes eigenes Ausstellungsgebäude.
Die Gründerzeit in der Mainstadt
 1879 Die neue Börse von Heinrich Burnitz wird eröffnet.

1880 Eröffnung Alte Oper. Statt der veranschlagten 2 Mio. Mark Baukosten kostete der Bau am Ende 20 Mio. Mark. 
1888 Eröffnung des Centralbahnhofs in Frankfurt am Main - der heutige Hauptbahnhof
1891 Bau der im Historismus-Stil erbauten Hauptpost auf der Zeil 110 (2. Weltkrieg zerstört).
1906 Eröffnung des Jügelhaus - seit 1914 von der Goethe-Uni genutzt. Ab 2014 Umbau durch Kulka mit großflächigen Entstuckungen und Zerstörungen der historischen Bausubstanz.
1908 Auf Messegelände Bau der Festhalle - größte freitragende Halle zu der Zeit.
1908-1910 Westend-Synagoge wird gebaut (nach Zerstörungen, 1989-1994 originaltreu restauriert)
Baukultur der zwanziger Jahre in Frankfurt/M.
1928 Errichtung der Großmarkthalle von Elsässer (2008 Abriss der Annexbauten im Zuge der Umgestaltung für die Europäische Zentralbank. 2010 Durchbruch der Halle für Querriegel-Neubau).
1928-31 Errichtung des Poelzig-Baus "I.G.-Farben-Haus" - heute Gebäude der Goethe-Uni.
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1945 Kriegsende: Die zerbombte Stadt steht in Trümmern. ca. 70 % der Bausubstanz sind zerstört. 2.000 Altstadthäuser für immer verloren. Mehr zu den Trümmern nach dem 2. Weltkrieg: http://www.stadtgeschichte-ffm.de/download/kochmann.pdf
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1948 Die "Bank deutscher Länder" der Vorläufer der Deutschen Bundesbank wird in Frankfurt/M. gegründet. Damit wird der Grundstein für die Bankenstadt Frankfurt/M. gelegt.
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Die 50iger Jahre - der beschwerliche Wiederaufbau beginnt.
1950 Errichtung des ersten Gebäudes auf dem Degussa-Areal (Abriss 2011)
1950 Eröffnung des Kinos Turmpalast (Abriss 2012)
1951 Das Kulturdenkmal Junior-Haus (Architekt Berentzen - s. auch Rundschau-Haus) wird eröffnet.   
1951-56 Bau Fernmeldezentrum mit dem Fernmeldehochhaus (Abriss 2005)
1952 Errichtung des Bayerhaus (Umgebaut - Seit 2008 Hotel)
1953 Bau des Rundschau-Haus (Abriss 2006)
1953-54 Bau des Bienenkorbhauses an der Konstablerwache (2007-09 saniert)
1953-55 Bau Oberfinanzdirektion, Adickesallee (2014 Abriss denkmalgesch. Bau bis auf Pavillion)
1953 Bau der Berliner Straße - Abriss des Altstadtensembles Nürnberger Hof
1954 Bau Sep Ruf Gebäude Berliner Handels-Gesellschaft, Taunusanlage 10 (Abriss 2015, Hochhaus geplant)

1954-55 Berliner Straße - Bau des Bundesrechnungshof (genutzt bis 2000, Teilabriss 2015)
1955-56 Errichtung Landwirtschaftliche Rentenbank (Hochstraße 2 n. Eschenheimer Tor)
1958-60 Bau des Zürich-Haus (Abriss denkmalgeschützter Bau 2002 u. Neubau Opernturm)
1959 Eintracht Frankfurt wird Deutscher Fußballmeister
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Die sechziger Jahre - Zerstörungen für die verkehrsgerechte Stadt 
1960 Abriss des kriegsbeschädigten Jugendstiljuwels Schumann-Theater
1960 Entfernung der Jugendstilfassade des historischen Schauspielhaus
1961 Eröffung Henninger Turm (2013 Abriss - dafür Hochhaus mit Turm-Anmutung in Bau)
1963 Fertigstellung der Hochhausscheibe des Hotel Intercontinental am Mainufer.
1965 Eröffnung des damals höchsten Gebäude Frankfurt - der 82m hohen BHF-Bank von Sep Ruf an der Bockenheimer Landstraße. In 90iger Jahren durch Denkmalschutz vor Abriss bewahrt.
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1965 Der spätere OB Rudy Arndt "Dynamit-Rudy" schlägt vor die kriegsversehrte Alte Oper "...mit ein wenig Dynamit" zu sprengen. Doch statt Abriss und Bau einer modernen Verwaltung, gründet sich eine Bürgerinitiative und sammelt Geld für den späteren Wiederaufbau. 
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1967 Entwicklung des so genannten "Fünf-Finger-Plans" (vom Opernplatz ausgehend im Uhrzeigersinn: Taunusanlage bzw. Mainzer Landstraße, Kettenhofweg, Bockenheimer Landstraße, Oberlindau, Reuterweg). In der Folge Massenabrisse von gründerzeitlichen Bauten im Westend (ab 1970 Hausbesetzungen http://orte-der-revolte.de/category/hausbesetzungen/ u. Studentenproteste). Abrisse u.a. http://de.wikipedia.org/wiki/Bockenheimer_Landstraße Viele leerstehende Bauten wurden von Studenten etc. besetzt - u.a. 1971 das Haus von Ali Selmi "Bockenheimer Landstr. 93" und der Block von Ignatz Bubis an der Ecke Bockenheimer/Schumannstraße (Bockenheimer Landstr. 111-113 u. Schumannstr. 69-71). 1972-73 kam es zum Häuserkampf am Kettenhofweg 51. Nach vielen Abrissen in den siebziger Jahren im Westend kam es dann zur Neubebauung mit unmaßstäblichen Beton-Bürobauten, die seit ca. 2002 teilweise wieder abgerissen oder zu Wohnraum umgewandelt werden.
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1968 Bau Hochtief-Hochhaus von Eiermann (Abriss des denkmalgeschützten Baus 2004) 
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Die siebziger Jahre - verlorene Baukultur
Die siebziger Jahre stehen für Massenabrisse und brutale Betonbauten. In der Münchener Str. 1 wurde z. B. dieses tolle Verwaltungsgebäude in dieser Zeiten abgerissen - http://abload.de/img/123456c0kl4.jpg

1971 Einrichtung einer Fußgängerzone in Alt-Sachsenhausen
1971 In Frankfurt-Enkheim wird das Hessen-Center eröffnet
1971 Bau eines 92m-Verwaltungs-"Wolkenkratzers" für die Deutsche Bank
1972 Erster Flohmarkt am Sachsenhäuser Mainufer
1972 Bau eines Sichtbeton-Erweitungstraktes für das Historische Museum (Abriss 2011)
1972 Fertigstellung des 116m-hohen AfE-Turms / Unigelände Bockenheim (Abriss 2014)
1972 Rothschildpark: Weiher verschwindet für SGZ-Hochhaus (2005-07 Umbau zu Park Tower)
1972 Eröffnung der Olivetti-Türme von Egon Eiermann in der neuen Bürostadt Niederrad
1973 In Ginnheim Eröffnung des Neubau der Bundesbank
1972-74 Bau des Technischen Rathaus in der Altstadt (Abriss 2010)
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1973 Oelkrise - der Zeitgeist der "autogerechten Stadt" endet
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1976 Das historische Fürstenhof Carlton-Hotel am Bahnhofsvorplatz wird abgerissen
1976 Eröffnung des Hotelhochhauses an der Hamburger Allee
1977 BfG-Hochhaus eröffnet - später residiert auch die EZB dort
1976-84 Bau U-Bahnverlängerung bis Südbahnhof mit Untertunnelung Main für 327 Mio. DM
1978 Eröffnung Hotelbau Holiday Inn, Darmstädter Landstraße
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Die achtziger Jahre - Rückbesinnung auf die lebendige Stadt
1981 Eröffnung der Alten Oper nach Wiederaufbau - Baukosten 188 Mio. DM. Auf dem Bau kommt eine von Panthern gezogene Quadriga, die lange verschollen war und ursprünglich vom Schauspielhaus stammte.
1982 Das Rebstockbad - eines der ersten Erlebnisbäder in Deutschland wird eröffnet
1981-86 Wiedererrichtung der Ostzeile auf dem Samstagsberg des Römers
1984 Einweihung Deutsche Bank Türme. Bis 1979 stand dort noch das Löwensteinsche Palais 
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Die Postmoderne wird in Frankfurt/M. eingeläutet
ca. 1985 Der umstrittene Neubau der Stadtwerke entsteht am Börneplatz
1985 Der 43,5 Mill. Euro teure Neubau von Richard Meier des Museums für angewandte Kunst wird eröffnet. Statt wie in den 60iger Jahren geplante Abriss und Hotelneubau wird auch die klassizistische Villa Metzler in den Museumskomplex integriert.

1986 In der Saalgasse entstehen postmoderne Giebelhäuser
1986 Eröffnung des Museums Schirn - 150 Mio. DM Baukosten
1988 Das 1. Museumsuferfest wird gefeiert
1988 Imagestärkung: 05.10.88 erscheint Geo Special Frankfurt - erstmals wird die erfolgreiche Stadterneuerung z.B. am Schweizer Platz bundesweit publik.
1989 Der "Sound of Frankfurt" leutet im Jahr der Wiedervereinigung die Techno-Revolution ein.
1980-1990 Ausbau und Errichtung neuer Museen am Museumsufer
ca. 1990 Umgestaltung Main-Ufer
1990 Eröffnung Messeturm von Helmut Jahn - dieser markiert einen Wendepunkt in der Akzeptanz für Hochhäuser in Frankfurt/M.
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Wolkenkratzer - Frankfurt/M. - 15 Jahre Spitzenreiter in Europa
Der Messeturm war der höchste Wolkenkratzer Europa´s 1990 bis 1997 und wurde danach vom Commerzbank Tower abgelöst, der bis 2005 der höchste Wolkenkratzer Europa´s war.
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1991 Eröffnung MMK 
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Seit 1992 Investorenarchitektur und Rekonstuktionen
1992 Massives Drogenproblem: Die Taunusanlage wird gesperrt und die offene Drogenszene zerschlagen
1992 Die Zeilgalerie eröffnet (Abriss geplant)
1993 Bau Westend Tower "Kronenhochhaus"
1995 Petra Roth wird zum OB gewählt (bis 2012)
1996 Das schmale, denkmalgeschützte, letzte Fischerhaus am "Mainkai 4" wird abgerissen
1997 Eröffung Commerzbank Tower von Sir Norman Foster 
2000 Einweihung des Main Tower
2002 Eröffnung des Main Plaza von Hans Kollhoff
2005 Die Alte Stadtbibliothek wird wiederaufgebaut - hier residiert seitdem das Literaturhaus
2006 Eröffnung des neuen Portikus - eine Neuinterpretation der historischen Alten Brücke-Bauten von Christoph Mäckler. Auf dem Dach eine Lichtinstallation des Künstlers Olafur Eliasson.
2006 Zur Fußball-WM ist auch Frankfurt/M. Spielort mit seinem neuen Stadion.
2009 Im Palais Quartier wird der Palais Thurn und Taxis mit veränderten Grundriss rekonstruiert
2010 Kaiserdom: Abschluss der Sanierungsarbeiten am 95 m hohen Domturm  
ab ca. 2013 Wiederaufbau bzw. Rekonstruktion eines Teiles der Altstadt bis 2018. Als erstes Fertigstellung des Stadthaus und des Rebstockhaus geplant.
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- Weiterführende Infos s. auch auf dem Online-Portal der Stadt Frankfurt/M. "Chronik der Altstadt"  
Literaturtipps zur Stadtzerstörung im Westend Anfang der 70iger Jahre: 
- Bildband "Westend" von Greta Herr u. Georg Hoch 
- Z.B. Frankfurt, die Zerstörung einer Stadt, Jürgen Roth 
- Wikipedia-Artikel zum Frankfurter Häuserkampf:  http://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurter_Häuserkampf

Abrisswatch: Altbauten in Frankfurt/M. weggerissen!


Wiederaufbau der Altstadt in Frankfurt am Main: Pluspunkt für das Stadtmarketing

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ie japanischen Touristen scheinen keine Auge für die Frankfurter Wolkenkratzer zu haben. Sie fotografieren lieber den Römer und alles andere, was alt und historisch aussieht. Die Hochhäuser - der Stolz der Frankfurter - sind für Amerikaner und Asiaten nichts besonderes, denn Wolkenkratzer haben diese genug in den eigenen Städten stehen. Touristen kommen nach Europa um authentische Orte mit Geschichte zu erleben. Deshalb ist es aus Sicht des Stadtmarketings so wichtig, weltweit einzigartige Orte zu besitzen und diese auch zu vermarkten. Der Wiederaufbau eines Teiles der Frankfurter Altstadt ist ein wichtiger Beitrag für die Zukunftsfähigkeit der Stadt. Hier wird keine "künstliche Kulisse" geschaffen, sondern ein kriegszerstörtes Zentrum Sinne einer Stadtreparatur wieder aufgebaut. Nur so lässt sich auch der historische Krönungsweg wieder örtlich nachvollziehen.

Frankfurt/M.: Wiederaufbau und gleichzeitig Zerstörung historisch authentischer Gebäude

Doch während demnächst einige Altstadt-Häuser zwischen Dom und Römer mühselig rekonstruiert werden, verfallen Fachwerkbauten in Alt-Sachsenhausen und es kreist die Abrissbirne im Frankfurter Stadtgebiet und beseitigt einzigartig historische und authentische Spuren im Stadtbild. Frankfurt/M. steht vor allem für massiges, renditeträchtiges Bauvolumen, das oftmals keinen anpassenden Bezug zur Umgebung nimmt. Statt Kleinteilig wird in voluminösen und monotonen Blöcken gebaut und dabei werden mitunter auch noch großzügig im Baufeld stehende, historische Bauten mit abgeräumt (und das obwohl es im Frankfurter Stadtgebiet - Stand 2012 - noch fast 600 Baulücken gibt, die man erstmal schließen müsste bevor man historische Bestandsbauten wegreißt).

Abgerissen wurden seit 2006 in Frankfurt/M. zudem u.a. folgende historische Bauten:

NORDEND
- die „grüne Villa“ von 1884 an der Eckenheimer Landstraße/Ecke Zeißelstraße im Nordend
SACHSENHAUSEN
- das "alte Druckereigebäude" - ein alter Backsteinbau in der Schulstr. 37 in F.-Sachensachsen - (s. googlemaps http://goo.gl/maps/Z8q77 ) dort entsteht ein Ärztehaus neben dem Krankenhaus.
- der eingeschossiges Haus - wahrscheinlich Teil eines früheren Altbaus - in der "Kleinen Brückenstraße 3" (s. http://goo.gl/maps/421Lv) im Stadtteil Sachsenhausen.
- die Villa "Kennedyallee 121"
- die historischen Reste der "Freiherr-vom- Stein-Schule" in F.-Sachsenhausen
BAHNHOFS- /PELZVIERTEL
- das repräsentative Gebäude der "Bundesbahndirektion" von 1905-1907 in der Hohenstaufenstraße für ein Hochhausprojekt u. das "Ateliergebäude in der Hohenstaufenstraße 13-25" (ehem. Hauptverwaltung der Andreae-Noris-Zahn AG von 1915 - Abriss 2014 geplant) für ein weiteres Hochhausprojekt
- 2009 wurden zwei gründerzeitliche Bauten an der Ecke Ludwigstrasse /Mainzer Landstrasse 117-119 (obiges linkes Bild nach dem Abriss am 18.02.09 von der Ludwigsstrasse aus gesehen, Bild rechts oben - die Häuser vor dem Abriss von der Mainzer Landstrasse aus) für ein Hotel-Neubau geopfert.
WESTEND
- die Villa "Senckenberganlage 30" im Westend (Abriss wg. eines Neubaus einer Bankengruppe).
- in der "Feuerbachstraße 40" ein schöner mit typischen roten Sandstein ausgestatteter Gründerzeitler - s. Google Maps: http://goo.gl/maps/fVLXH
CITY/ ALTSTADT
- 2012 wurde das historische "Kutscherhaus in der Petersstraße" für ein neues Wohn- und Geschäftshaus abgerissen.
- das ex-Jugendzentrum "Bleichstraße 8-10" - einer der letzten innerstädtischen Altbauten
- Unter die Abrissbirne kam 2013 die leider verwahrloste "Villa Helfmann" am Untermainkai 34.
- für ein Immobilienprojekt wurde Anfang 2013 der "Gründerzeitbau Holzgraben 11a" - einer der seltenen noch erhaltenen Altbauten in der historischen Altstadt flachgelegt.
- Ein entstuckter Gründerzeitbau "Luginsland 1" von etwa 1840 wurde 2013 für ein Bauprojekt abgerissen.
BORNHEIM
- für ein Neubauprojekt wird wohl ein Gründerzeitler an der "Berger Straße 228" plattgemacht.
BOCKENHEIM
- für ein Immobilienprojekt abgerissen wurden 2015 in Frankfurt-Bockenheim die beiden gründerzeitlichen Bauten "Hermann-Wendel-Str. 10 und 14".
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- Vom Abriss bedroht ist zudem wohl das alte Pfarrhaus an der Hohenstaufenstraße.

Neubauten: Geschichtsbewusstsein fehlt bei der architektonischen Gestaltung
Mit dem Geschichtsbewußtsein scheint es oftmals in Frankfurt/M. nicht weit her zu sein: So wurde in der "Schönen Aussicht 13-15", in der Straße wo der Philosoph Schopenhauer wirkte ("Schopenhauer-Haus"), ein modernes Hotel errichtet. Hier hätte man die Kriegslücke besser mit einem historisierenden Bau und einem integrierten Museum für Schopenhauer schließen müssen. Zu den weitgehend trostlos-modernistischen Bauprojekten, die in Frankfurt/M. keinen ausreichenden Bezug zur historischen Umgebung genommen haben, zählen in jüngster Vergangenheit z.B. auch der Neubau "Alte Rothofstr. 8-10", der Neubau der "Freiherr-vom-Stein-Schule" (Schweizer-Str. 87 in FFM.-Sachsenhausen) und der Neubau "Textorstr. 42", auch in FFM.-Sachsenhausen, sowie ein Neubau in der Ottostrasse. Desweiteren stellt der Umbau (und Abriss der Annexbauten) der Großmarkthalle zum EZB-Sitz einen gravierenden Eingriff in das historische Erbe der Stadt dar.

Umbauten, Anbauten und nicht denkmalgerechte Altbausanierungen
Neben vielen trostlosen Neubauprojekten kommen auch noch sanierungsbedingte "Verhunzungen" an Gründerzeitbauten hinzu. So werden die Altbauten mit unmaßstäblichen Dachaufbauten verunstaltet und bauliche Lückenschlüsse erhalten gestalterisch unpassende Flachdächer. Historische Garten- und Balkongitter und Fensterläden verschwinden, statt Holz- werden Plastikfenster eingesetzt und Sanssteinfensterbänke werden durch unpassende Alubleche ersetzt.

Wärmedämmung kontra gründerzeitliche Bebauung
Auch der Stuck, rote Klinker und für Frankfurt typische rote Sandstein verschwindet hinter riesigen Wärme-Dämmplatten (z.B. 2013 in der Gutleutstraße 174-176 und in Sachsenhausen) oder wird einfach abgeschlagen und entgegen aller identitätsstiftenden Gestaltungsleitbilder weiß überpinselt. So wurde z.B. vor einiger Zeit an den Häusern "Schellingstr. 12" und "Mauritiusstraße 20-28", bei der "Sanierung" der Bauten, der Fassadenschmuck abgeschlagen.

Stadtzerstörung geht weiter
Eine Stadtzerstörung bisher unbkanntes Ausmaßes wurde mit der Erweiterung des Senckenberg-Instituts in Angriff genommen. Architekt Kulka hatte 2014 moderinstische Umbaupläne vorgelegt, die massiv die historischen Gebäude des "Jügelhaus" verfremden. Ein weiterer Problemfall bildet das Alte Polizeipräsidium, welches seit über 15 Jahren dem Verfall preisgegeben ist.

Neben der Zerstörung von historischer Bausubstanz verschwinden auch einige schützenswerte Bauten aus den 50iger und  60iger unter der Abrissbirne - wie das FR-Rundschauhaus. Und selbst einige gelungene Bauten aus der Zeit der Postmoderne werden mittlerweile unsinnigerweise geopfert.

Überblick: Städtebauliche Situation in Hessen

Hessische Städte im Abrisswahn

D
ie hessischen Städte mussten im 2. Weltkrieg absolutistische Zerstörungen hinnehmen:

Frankfurt/M.: in über 90 Gassen wurden 1.500 bis 2.000 Altstadtbauten zerstört. Wenige Rekos.
Darmstadt: 457 Altstadthäuser zerstört - 2 Häuser unzerstört.
Hanau: 450 Altstadthäuser zerstört - 7 unzerstört, Goldschmiedehaus wieder aufgebaut.
Kassel: 870 Altstadthäuser - alle zerstört.
Gießen: Altstadt komplett zerstört.

Trotzdem arbeitete man nach Kriegsende zügig an der Beseitigung seines verbliebenen historischen Erbes - und das bis in die jüngste Zeit: So wurde in Kassel das historische "Henschelhaus" (s. Artikel HNA, 26.04.10), trotz Bürgerprotesten, weggerissen und lediglich eine rekonstruktierte Fassadenseite in ein neues Kaufhaus eingebaut.
In Marburg wurde gleich das "älteste Gebäude" (s. Artikel HNA, 26.01.10) des Nordviertels in der "Rosenstraße 9" (s. auch http://www.stadtbild-marburg.de/archiv/ar-rosenstrasse.htm) bis auf etwas Fassade plattgemacht.
Ein besonderes Kapitel stellt Gießen dar: Die im Weltkrieg untergegangene Fachwerkstadt mühte sich erst gar nicht um einen historischen Wiederaufbau, so dass die alte Marktzeile nur noch nachgebaut im Hessenpark zu bewundern ist - "Disneyland" lässt grüßen.

Wiesbaden: 150 Villen wurden in den 60igern abgerissen. Weitere Abrisspläne konnten zum Glück  verhindert werden.
Unfassbar: 2009 wurde in Darmstadt (s. Stadtgestaltung Darmstadt) das historische Kutscher- und Remisenhaus von Olbrich auf der Mathildenhöhe niedergelegt.
Natürlich hat auch Offenbach einiges zu bieten: Bereits 1960 legte man in Offenbach die kulturhistorisch wichtigen Literatenbauten ("La Roche- und André-Haus" s. OP-Online vom 08.04.10 "Sehnsucht nach Licht") für die Auto-Schneise "Berliner Straße" nieder und entledigte sich somit einer seiner letzten kulturgeschichtlichen Spuren im Stadtbild.
Am Ende noch ein Link zum traurigen Abriss-Kapitel in Frankfurt "Frankfurt/M."

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Literaturtipp: "Architektursünden in Hessen: 25 Ortstermine von A wie Alsfeld bis W bis Wetzlar", Christoph Mäckler.